Grundzüge einer „allgemeinen Psychotherapie“ aus neurobiologischer Sicht (Plenarvortrag)


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    Uhr
  • Kategorie

    Vortrag
  • ReferentIn

    Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth

    Neurobiologe, Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen


Psychoanalytisch-psychodynamische und kognitiv-behaviorale Therapierichtungen („Richtlinien-Verfahren“) beruhen auf unterschiedlichen Grundannahmen über ihre Wirkmechanismen. In ihrer Gesamtwirkung unterscheiden sich diese Richtungen nicht voneinander; vielmehr ist ihre jeweilige Wirkung hoch-individuell hinsichtlich des Patienten und des Therapeuten. Zudem sind die Wirkungskonzepte der „Richtlinien-Verfahren“ in wesentlichen Teilen nicht mit neuen neurobiologischen Erkenntnissen vereinbar. Nach diesen Erkenntnissen sind generell zwei Wirkmechanismen von Psychotherapie zu unterscheiden. Der erste Mechanismus ist die Aktivierung des Selbstberuhigungs- und Bindungssystems im Rahmen der „therapeutischen Allianz“. Dies führt meist zu einer schnellen, aber nur vorläufigen Besserung der Befindlichkeit. Der zweite, nachhaltige, aber langwierige Mechanismus beruht auf der Reorganisation tief in die Basalganglien „eingegrabener“ Verhaltensmuster durch die Aktivierung psychoneuraler Ressourcen im Stressverarbeitungs- und Motivationssystem. Dies folgt den Gesetzen des implizit-prozeduralen Lernens. Hierbei spielt die Bildung neuer Nervenzellen in den Basalganglien und anderen Regionen des Gehirns eine wichtige Rolle. All dies unterstützt die Vision Klaus Grawes nach einer „überkonfessionellen“ allgemeinen Psychotherapie.

Literatur

G. Roth, N. Strüber: „Wie das Gehirn die Seele macht“. Klett-Cotta,, Stuttgart 2014.