Metakognitive Strategien in der Therapie von Zwangsstörungen


  • Datum

  • Uhrzeit

    Uhr
  • Kategorie

    Vortrag
  • ReferentIn

    Prof. Dr. Cornelia Exner

    Psychologische Psychotherapeutin, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig


Kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP), ist das empfohlene Behandlungsverfahren bei Zwangsstörungen. Allerdings stellen die notwendigen Expositionsübungen eine große Hürde für Patienten (und Psychoherapeuten) dar. Auch nach erfolgreicher ERP leiden viele Patienten unter Restsymptomatik oder Rückfällen. Die metakognitive Therapie (MCT) bietet eine alternative Behandlungsstrategie an, die ohne lange Expositionsübungen auszukommen scheint. Zur Wirkung von MCT bei Zwangsstörungen gibt es aber bisher nur einzelne Fallstudien; kontrollierte Studien fehlen.

Im ersten Teil des Vortrages werden zunächst metakognitive Störungsmodelle und Behandlungsstrategien anhand von Fallbeispielen vorgestellt. Der metakognitive Ansatz stellt die Veränderung von metakognitiven Annahmen und Kontrollprozessen in den Mittelpunkt der Behandlung. Dazu wurden spezielle Therapietechniken entwickelt, um Patienten eine Distanzierung von eigenen Gedanken zu ermöglichen (z.B. Losgelöste Achtsamkeit). Bekannte Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, wie kognitive Umstrukturierung und Verhaltensexperimente werden in veränderter Art eingesetzt, um dysfunktionale Annahmen über die Bedeutung von Gedanken und mentalen Vorstellungen aufzudecken und in Frage zu stellen.

Im zweiten Teil des Vortrages werden empirische Befunde zur Wirksamkeit des neuen Verfahrens anhand einer Pilotstudie vorgestellt. Eine empirische Überprüfung ist auch angesichts der weiten Verbreitung des Verfahrens dringend angezeigt, jedoch bisher noch nicht in ausreichendem Maße vorgenommen worden. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von MCT mit ERP bei 36 ambulanten Patienten mit Zwangsstörung verglichen. In beiden Behandlungsbedingungen gingen die Zwangssymptome signifikant und in vergleichbarem Ausmaß zurück. MCT benötigte dafür allerdings eine kürzere Therapiezeit. Die Ergebnisse zeigen, dass metakognitive Strategien eine Alternative oder Ergänzung zum erfolgreichen kognitiv-behavioralen Behandlungsansatz bei Zwangsstörungen darstellen können. Weitere kontrollierte Behandlungsstudien sind aber erforderlich, um die Wirksamkeit zu betätigen. Bisher wissen wir nicht, welche Patienten eher von metakognitiven Strategien oder Expositionsübungen profitieren und ob auch eine Kombination beider Verfahren sinnvoll ist.

Zielgruppe

Der Vortrag ist für TeilnehmerInnen mit unterschiedlicher klinischer Vorerfahrung geeignet.