Befund und Befinden: Warum das Kernspin bei Schmerzen „versagt“


  • Datum

  • Uhrzeit

    Uhr
  • Kategorie

    Workshop
  • ReferentIn

    Dr. Paul Nilges

    Psychologischer Psychotherapeut, Vorstand der DGPSF

  • Maximale Teilnehmerzahl

    20

Schmerzdiagnostik und -behandlung ist keine übliche psychotherapeutische Tätigkeit sondern eine typisch ärztliche Aufgabe. Für unsere Patienten (und auch für uns alltäglich erlebbar) ist die Ursache von Schmerzen meist eine körperliche Schädigung, die – so die Annahme – mit genügend diagnostischem Aufwand immer gefunden wird.

Auch bei chronischen Schmerzen ist diese Vorgehensweise üblich: Rücken- oder Kopfschmerzen werden als medizinisches Problem betrachtet. Diagnostischer Aufwand – oft mit beeindruckender Hochtechnologie –, operative Eingriffe und Schmerzmittelverschreibungen nehmen rapide zu.

Wenn zwischen Befund und Befinden eine deutliche Diskrepanz besteht, wenn keine „organischen“ Ursachen gefunden werden („Sie haben Nichts“), werden schnell „psychische Faktoren“ als „eigentliche Ursache“ vermutet. Umgekehrt führen „beweisende“ Befunde („Ich sehe da eine Protrusion der Bandscheibe“) zu medizinischen Behandlungen mit zweifelhaften Ergebnissen.

Dieser Algorithmus führt häufig zu einer Ansammlung von Nebenbefunden oder zur Versicherung „alles ist in Ordnung“. Zurück bleiben ratlose und/oder von Selbstzweifeln geplagte Patienten („bilde ich mir das ein?“). Mit der Einschätzung der Bedeutung von Befunden und daraus resultierenden Entscheidungen über die weitere Behandlung sind Patienten und Psychotherapeuten, aber auch Ärzte immer wieder überfordert.

Ziel & Methode

Im Workshop werden die Reliabilität und Validität von Befunden am Beispiel der häufigsten Schmerzformen (Rücken- und Kopfschmerzen) vorgestellt und Gründe für die überraschend geringe Zuverlässigkeit und Genauigkeit diskutiert.

Zielgruppe

Der Workshop ist für Kolleginnen und Kollegen gedacht, die am Beispiel „Schmerz“ einen kritischen Blick „über den Tellerrand“ werfen wollen, auf die Möglichkeiten aber auch die Grenzen, Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen medizinischer Diagnostik.

Bitte beachten Sie: Diese Inhalte werden in den Curricula „Schmerzpsychotherapie“ ausführlich vermittelt. Der Besuch des Workshops ist deshalb nicht sinnvoll, wenn Sie bereits an einem Curriculum „Schmerzpsychotherapie“ teilgenommen haben oder dies planen.